Ich bin wieder da!

Aber eigentlich bin ich nun dort:

www.theaustrianinamerica.wordpress.com

18 Monate USA- Wahnsinn haben mir anscheinend nicht gereicht, darum habe ich beschlossen, für die nächsten drei Jahre dort zu bleiben (der Liebe wegen, und auch weil ich dort zum studieren anfange)

Fragt mich nicht, wie das alles gehen wird, ich weiß es selber nicht, es ist der pure Wahnsinn, aber ich bin gespannt.

Folgt mir gerne (virtuell) nach Amerika und erlebt mit mir den puren Wahnsinn- Ich freu mich!

image

(dort werde ich auch einen kurzen Bericht über meinen Heimaturlaub schreiben)

Advertisements

in a nutshell…oder: perfekt war’s nicht

So hatte ich mir die letzten paar Wochen vorgestellt: die Kinder sind super lieb und gut gelaunt, ich immer geduldig und die Frisur sitzt, wir spielen viel, gehen in den Park und essen Kuchen. Das neue Aupair kommt, alle finden sie so schrecklich, dass sie gleich heimgeschickt wird und meine Gasteltern beschließen, mir mein Visum zu bezahlen, die Regierung ändert ihre Visumsregelungen und ich kann weiterhin Mary Poppins spielen, mit viel weniger Stunden und höhrem Gehalt und weil ich so supertoll bin, bezahlen meine Gasteltern das Studium und ich kann hier studieren. Meine Heimflüge werden mir bezahlt und weil ich so intelligent bin, brauch ich für das Studium statt 3 Jahren nur 1,5 Jahre und finde gleich nachher einen gut bezahlten Job. Der holde Ritter mit weißem Pferd ist immer freundlich und nie schlecht gelaunt, wir streiten uns nie, und wenn, dann nur wer den größeren Blumenstrauss gepflückt hat. Ende gut, alles gut.

So war es wirklich: Ich war ungeduldig, müde, überlastet, wütend, hungrig und schlecht gelaunt. Die Kinder grantig und bockig, wir sind von einem Handygeschäft zum andren gerannt, weil niemand mir helfen konnte, ein billiges Wertkartentelefon zu finden (vielleicht hätt ich das auch einfach alleine machen sollen, statt die kostbare Zeit mit den Kindern dazu zu verwenden)… am Ende war ich so fertig, dass ich das nächstbeste Billigtelefon genommen habe und die Verkäuferin, die sich während dem Gespräch ein Hotdog reingestopft hat, angeschnauzt habe, sie möge doch bitte erst runterschlucken, bevor sie mit mir redet.

Statt mit den Kindern fröhlich zu spielen, habe ich sie angeschnauzt, weil sie getrödelt haben und Kinder waren. Ich will bitte perfekte Kinder haben. Und eine perfekt sitzende Frisur.

Irgendwann hab ich es dann aufgegeben, die perfekten letzten Tage zu planen und wir haben in den Tag hineingelebt, waren spazieren, im Café, im Wald, am Spielplatz, haben Uno gespielt, gemalt… Am Mittwoch sind wir dann noch alle gemeinsam ins Kino gegangen, das war schön.

Als dann das neue Aupair gekommen ist, habe ich mich echt zusammen nehmen müssen, um nicht zu heulen, aber alle meine Befürchtungen wurden wahr: sie ist super lieb, super fröhlich, super nett, super süß, die Kinder lieben sie und rennen ihr nach, wollen, dass sie die Geschichte vorliest, dass sie dies macht und jenes… Und ich bin… zum einen erleichtert, weil es doch gut ist, dass sie sich mit den Kindern versteht. Aber… ICH bin doch die perfekte, liebe, beste Mary Poppins.

Als ich das Baby zum letzten Mal zum Mittagsschlaf hingelegt habe, wollte er, dass sie die Geschichte vorliest, nicht ich. Als ich dann meinte: ‚Bald ist Mommytime, gell‘ meinte er: ‚ja, geht deine Freundin dann wieder heim?‘

 

Das letzte Wochenende hier hätte so aussehen sollen: Freitag ins drive in Kino, Samstag ausschlafen, Fitnessstudio und dann mit der Familie und der Neuen treffen. Naja, wenn schon alles schief geht, dann bitte wirklich ALLES: Freitagabend lag ich heulend auf der Couch, während mir meine Hostmum Ratschläge gegeben hat in Sachen Freundschaften (wieder mal ein Streit wegen Missverständnissen und falscher fehlender Kommunikation.)

Ich musste mal wieder auf die harte Tour lernen: das echte Leben kann ich nicht planen.

Ich wäre gern peferkt, perfekte Haare, perfekte Haut, perfekte Figur, perfekte Klamotten, perfekte Laune, perfekte Christin, perfekt alles. Im Moment ist nur mein Bett perfekt gemacht. Und nicht einmal das, weil, was ist schon perfekt? Ich habe zu hohe Erwartungen an mich, an andere, an das Leben. Alle sollen gut gelaunt sein, lachen, weiße Zähne haben, der Flechtezopf muss sitzen, alle sind fröhlich. Und essen Kuchen. Und der Blumenstrauss verwelkt nie.

Ja, so ist es nun mal nicht, da Leben. Und so sitze ich an meinem letzten Wochenende in Richmond heulend in meinem kleinem Gästezimmer, in meinen verwaschenen Klamotten, mit ungewaschenen Haaren. Und bin wütend. Auf mich. Aber anstatt die ganze Wut und Trauer an Gott abzugeben, lasse ich sie an meine liebsten Mitmenschen raus. Die Kinder sollem aufhören zu hüpfen. Warum kannst du micht dein Eis essen, ohne zu tropfen? Schrei nicht rum. Hör auf zum zappeln. Vor drei Wochen hast du das und das gesagt. Und jetzt hör sofort auf an meinem Rockzipfel zu hängen, du bist 2 Jahre alt und kannst selber laufen.

Irgendwann hat es mir dann gereicht. Ich habe aufgegeben.  Ich gab meinen Wunsch auf, perfekt zu sein. Ich kann meine Mitmenschen nicht ändern. Ich kann die Umstände nicht ändern. Aber ich kann meine Einstellung ändern. Also stand ich auf, putzte mir die Nase, fuhr ins Fitnessstudio, um mich ab zu reagieren, ging duschen, und versuchte zu lächeln.

Nein, ich bin nicht perfekt. Muss ich aber auch nicht. Nein, ich kann kein perfektes Wochenende planen. Das Leben kann nicht perfekt geplant werden, es kann nur gelebt werden.

Ich DARF unperfekt sein. Ich KANN unperfekt sein. Gott liebt mich. GERADE WEIL ich unperfekt bin.

Und so verbrachte ich ein schönes Wochenende mit meiner Gastfamilie. Und als ich am Sonntag meinen Freunden aus der Kirche das neue Aupair vorgestellt habe, habe ich zum Heulen begonnen. Weil, dass darf und muss auch sein. Ich darf zeigen, dass es mir schwer fällt, diese Kinder loszulassen. Ich darf zeigen, dass mir diese Familie ans Herz gewachsen ist und es mir schwer fällt, zu gehen. Ich darf weinen.

Ja, ich habe zu hohe Erwartungen an das Leben, an meine Mitmenschen und vorallem an mich. Ja, ich werde enttäuscht, wenn nicht alles so läuft, wie ich es will. Ja, ich bin wütend und schnauze meine Mitmenschen an. Ja, ich will, dass alles super perfekt ist und alle glücklich sind. Und ja, ich darf dazu lernen und es das nächste mal besser machen.

 

ein Glas voller Dankbarkeit

Meine liebe Freundin Anna hat mir, bevor ich ins Abenteuer USA aufgebrochen bin, einen Brief geschrieben (der übrigens immer noch in meiner Bibel als Lesezeichen dient):

„Schreibe jeden Tag EINE Sache auf einen Zettel auf, über die du dich gefreut hast, und wirf sie in eine Dose/ein Glas. Am Ende des Jahres bzw. deiner Aupairzeit leer sie aus und entdecke, wie viele schöne Momente du erleben durftest!“

Und genau das habe ich getan- manchmal war es einfach und mir fielen 1000 Sachen ein, manchmal musste ich echt lange nachdenken, nur um am Ende zu schreiben: „ich bin dankbar, dass sich niemand verletzt hat“

Heute möchte ich ein paar meiner Dankbarkeitsschätze mit euch teilen, denn ich durfte echt viele schöne Momente erleben! Vielleicht habt ihr ja auch Lust, ein Dankbarkeitsglas zu befüllen?

image image

  • „You are the best“
  • „That’s Lisa, she is my favorite Aupair“
  • gemütlicher Abend mit den Kindern
  • Beachtrip!!!
  • Datenight mit Gott
  • Picknick im Park
  • wandern mit Freunden
  • die gute Predigt
  • meine Biblestudy
  • Mädlsabend mit Wein und Schokolade
  • Elternbesuch
  • „You’re the bestest Aupair“
  • Mittagsschlaf
  • Gastfreundschaft
  • Minnesotaurlaub
  • schwimmen im See
  • Spaziergang
  • die Kinder!!!
  • ehrliches Gespräch mit meinem Biblestudyleiter
  • Dominoabend in der Kirche- ich habe gewonnen!!!! (mir zur Ehre wurde übrigens ein Liede gedichtet, dass in der nächsten Rundmail der Kirche geschrieben wurde:-))
  • ehrliche Menschen
  • Komplimente
  • Sonne, Regen, Schnee, Gewitter…
  • Freundschaften
  • Urlaub
  • Sauna
  • Besuch daheim in Österreich
  • Coffeedate
  • meine Kirche hier…

18 Monate USA-Abenteuer gehen zu Ende- 18 Monate gefüllt mit tollen Momenten, Trauer, Wut, Freude, Zorn, Liebe, Ärger…. Dankbarkeit… Dankbarkeit für so viel Tolles, das ich nie in Worte fassen kann…

 

 

ich meld mich dann mal ab…

zumindest für die nächsten paar Wochen.

Heute bin ich ins Gästezimmer umgezogen. Die Kinder haben mir beim Einpacken geholfen, meine Stöckelschuhe bewundert, meine Fotos angeschaut, geseufzt und gefragt, ob ich denn wegziehen MUSS. Das Zimmer ist jetzt so leer, jetzt wo all meine Erinnerungen abgenommen und in Kisten verpackt wurden. Gesaugt muss noch werden und das Bett frisch bezogen werden, dann kann die Neue schon kommen. Ein Plakat haben wir schon gemalt.

Die Woche muss ich die restlichen Bücher zur Bibliothek bringen und meine Mitgleidschaft kündigen, das Auto noch mal aussaugen lassen und mir ein Wertkartentelefon besorgen (mein Handy bekommt ja das neue Aupair und damit ich in den 2 Wochen, die ich noch da bin, erreichbar bin, muss eine Wertkarte her.

Heute morgen hat mich meine Gastfamilie mit einer rießen Torte überrascht, in der Fähnchen steckten, mit Sprüchen, wie zb ‚#awesomeaupair‘, ‚we love you‘, ‚we’ll miss you‘ und so. Ich habe Rotz und Wasser geheult, als ich ihnen das Scrapbook überreicht habe, dass ich über die letzten 18 Monate gemacht habe. Mit Fotos, Eintrittskarten, Zeichnungen, etc und Notizen, auf denen ich wichtige Schritte dokumentiert habe, wie zB ‚heute haben wir uns vom Schnuller verabschiedet‘ usw.

Ich bleib noch 2 Wochen hier und dann fahr ich für ein paar Tage zu Freunden aufs Land, bevor ich dann heimfahre.

Als ich hergekommen bin, habe ich geplant, im Reisemonat nach Seattle zu fliegen und dann mit einem Mietauto bis runter nach San Francisco, vielleicht bis nach San Diego und dann heim. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Aber das ist in Ordnung so.

Ich habe viel gelernt in den 18 Monaten, bin an meine Grenzen gestoßen, habe viel unnötig gebrüllt, habe viele nasse Bussis bekommen, habe Freundschaften geschlossen und Freundschaften beendet, habe gelernt, ohne Navi in einer mir so fremden Stadt zu fahren, die dann mit der Zeit so vertraut wurde, habe tausend Streiterein geschlichtet und mich auf gefühlten 890 Spielplatzsitzrunden fadisiert.

Ich habe gelernt, auf mein Bauchgefühl zu hören und Entscheidungen zu treffen, die gut für mich sind, auch wenn andere Leute mich vom Gegenteil überzeugen wollten. Ich habe gelernt, Nein zu sagen, wenn es mir zu viel wurde und zu meinem ‚Ja‘ zu stehen- versprochen ist versprochen!

Ja, ich freue mich darauf, meine Freunde und meine Familie zu sehen, aber ich weine auch. Mir sind diese Kinder so ans Herz gewachsen, sie sind zu so einem großen und wichtigen Teil meines Lebens gewordenes tut mir weh, zu hören, wie die Große singt: ‚we’re having a new aupair oh i can’t wait tralalala‘, aber ich freu mich auch, dass sie sich freuen- schließlich will ich ja das Beste für sie, und ganz ehrlich: so gern ich Mary Poppins war, ich merke, ich bin bereit für etwas Neues. Ja, ich freue mich auf einen neuen, spannenden Abschnitt!

Bis dahin melde ich mich ab und melde mich dann Ende August/Anfang September wieder.

Habt einen schönen Sommer, genießt das Wetter, trinkt genügend Wasser und verwendet Sonnencreme, trifft Freunde, schaltet das Handy ab, esst Wassermelone und trinkt Eiskaffee, pflückt Blumen und LEBT.

 

Talk to y’all soon.

YESSSSSSSSSSS

Ich liebe es, zu gewinnen. Egal ob Monopoly, Tabu, Uno, Verstecken… ich liiiebe es (und am schlimmsten finde ich es, wenn ich so tun muss, als ob ich verliere, damit das Kind gewinnt und sich freut- ICH will gewinnen!!!) Über meinen Freudestummelrauschtanz, als ich den Baseball-Ball gefangen habe, habe ich ja berichtet.

Vor einem Jahr hat mich meine Freundin zum Dominospielen in die Kirche eingeladen, wo sich die Senioren regelmäßig treffen, um bei Kaffee, Kuchen, Pizza und was noch so am Snacktisch steht, Mexican Train zu spielen, zu plaudern, zu lachen,… einfach eine gute Zeit haben! Dort ist es ‚Brauch‘ den Namen des Gewinners auf ein Plakat an der Wand zu schreiben (Wall of fame, und so;-)) Damals meinte ich scherzhaft: „Leute, ich geh nicht eher heim, bevor mein Name auf der Wand steht!’…

Am nächsten Tag habe ich mir gleich selber ein Set gekauft und begonnen, mit meiner Gastmama und Freunden zu spielen.

Viele Dominoabende sind ins Lande gezogen, gewonnen habe ich nie. Als meine Eltern da waren, hat meine Mama ganz knapp nicht gewonnen, aber sie wurde auch vom Mexican Train Fieber angesteckt.

Und obwohl ich so oft es ging, zu den Dominoabenden zu gehen, gewonnen habe ich nie. Ich hab dann schon scherzhaft gesagt: ‚Ja, is mir eh egal, es geht doch nur drum, Spaß zu haben!‘

Und dann war heute wieder Dominoabend und ich hab von 12 Runden, 8 Runden gewonnen und in den Runden, wo wer anderer gewonnen hat, eine sehr geringe Punkteanzahlt gehabt. Dann wurde mit den anderen Tischen verglichen, während ich schon aufgeräumt habe (hatte die ganze Zeit nur 37 Punkte, bis ich dann einmal 67 Punkte hatte, und da war für mich klar, ich hab verloren)… Und dann hieß es: wir vergleichen die Punkte von Runde 6 (weil das in der Mitte ist, und nicht jeder 12 Runden gespielt hat)…

UND ICH HABE GEWONNEN!!!!! Mit 37!!! Punkten!!!!

Leute, ihr könnt euch meinen Freudentanz vorstellen!

ICH LIEBE ES, ZU GEWINNEN!!!!!!!!!!

 

Hahaha, jetzt steht mein Name auch auf der Wand und alle werden sich an mich erinnern können:-D

 

image image image image