Halbzeit

Gestern sind es 6 Monate her, dass ich meine Koffer gepackt habe und, mit jeder Menge Bambuswahnsinn, auf ins Land der begrenzten Unmöglichkeiten geflogen bin.

Sind es wirklich schon SECHS Monate her? Kann doch nicht sein, dass ich schon Halbzeit habe… es war doch erst gestern, dass ich am Flughafen gefahren bin, in New York bei der Trainingsschool war, dass ich meine Gastfamilie getroffen habe…

Bin ich wirklich schon sechs Monate hier?

Zum einen fühlt es sich an, als wäre ich erst gestern angekommen, zum anderen fühlt es sich an, als wäre ich schon EWIG hier, so viele Dinge schon erlebt, so viele Sachen schon gemacht,… spontane Wochenendtrips, geplante verlängerte Wochenende am Strand, super sponate Roadtrips mit Leuten, die ich erst getroffen habe…

Und doch fühlt sich alles schon so normal an, so Alltag…
Die ersten Monate habe ich wie in einer Seifenblase verbracht, alles war neu, spannend, ungewohnt… dann kam der grosse Kulturschock, Anfang April, wo ich eine Woche lang fast täglich geweint habe, weil ich so unglaublich überfordert war, wo ich einkaufen war und im Supermarkt auf einmal realisiert habe: OH MEIN GOTT. ICH BIN HIER FUR EIN JAHR UND ALLES IST SO GROSS UND ICH WILL BITTE EINFACH NUR EINEN KLEINEN SUPERMARKT, wo ich alles stehen und liegen gelassen habe und heulend aus dem Geschäft gegangen bin,…
Jetzt ist der Alltag da, ich arbeite, gehe in den Tanzkurs, Bibletudy, ins Kino, treffe Freunde…

Und doch sind noch so viele Dinge, die ich tun möchte, werde ich dazu Zeit haben? Minnestoa, New York, Vermont, Californien, Florida, St. Luis, WestCoastSwingTanzkurs, Wandertouren, KrimiDinner, Apfelpflücken, lazy Tage am Strand, New Orleans, Seattle… ich habe das Gefühl, mir rennt die Zeit davon.

Alles werde ich sicher nicht schaffen (Zeit, Geld…), aber ich versuche, so viel wie möglich zu unternehmen, meine Zeit hier sinnvoll nutzen, nicht vertrödeln… und trotzdem geniessen.

GENIESSEN.

Genau das werde ich tun.

Ich geniesse jeden Tag hier. Klar, es gibt herausfordernde Tage (so wie heute, wo ich einfach nur müde bin), es gibt Tage, da macht mein Hirn „STOP. KEIN ENGLISCH MEHR“ So wie am Wochenende, wo ich mitten im Satz einen Knoten in der Zunge hatte und einfach auf deutsch weiter geredet habe. Es gibt Tage, da will ich einfach nur mit dem Radl ins Geschäft fahren, Vollkornbrot kaufen und dann aus dem Garten den Salat holen. Es gibt Tage, da möchte ich nicht „I’m fiiiine, how aare youuuu?“ antworten.

Solche Tage gibt es.

Aber dann gibt es Tage, wo ich so unglaublich glücklich bin, hier sein zu dürfen. So wie meistens.

Ich bin gern hier.

was noch so ansteht, was ich gerne noch machen möchte:

  • nach St. Luis fahren
  • New Orleans, Seattle, Chicago, Key West, NEW YORK, West Virginia
  • campen gehen an einen See
  • Eine Wandertour
  • Apfelpflücken gehen
  • einen Austriaday machen: Apfelstrudel, Wiener Schnitzel
  • West Coast swing und Lindy hop lernen
  • ein Date für den marinecorpsball finden (ahahaha)
  • eine Hochzeit crashen
  • pumpkin pie backen
  • am black Friday shoppen gehen
  • auf ein country festival gehen
  • erleben, wenn das Baby deutsch spricht (er sagt schon einige Sachen)
    (Nachtrag: Heute, 21. Juli, wollte das Baby einen Keks, und wenn er etwas will, patscht er immer die Hände zusammen, ich sage dann: „Sag: ‚Bitte, kann ich das haben'“, bis jetzt hat er dann immer gemurmelt: „bi Bi“ doch heute kam ganz klar und deutlich zur Antwort: „BITTE HABEN“ ich hab erst nur blöd geschaut und nichts gecheckt, aber dann kam wieder: „BITTE HABEN“ und dazu sein Dackelblick mit diesen glasklaren blauen Augen und dann hat er noch die Hände geklatscht und „Danke“ gesagt… oh, mein Aupairherz schmilzt, der kleine Bua!)
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