Hörte sie doch in und um uns endlich auf, die Kreiselei

Es gibt ein Lied, dass gerade sehr gut passt:

Buntbemalt, mit roten Streifen,halb verbeult, vom Roste schwer, liegt er neben Kinderreifen, neben Puppe, Ball und Bär. Doch wenn er in großen krummen Kreisen auf die Reise geht, fängt der Kreisel an zu Brummen, weil er um sich selbst sich dreht.
Dreh dich um dich selbst, so wirst du brummen, bei jedem Kreis, den du beschreibst. Und dein Brummen wird erst dann verstummen, wenn du am Boden liegen bleibst.

Ob er es die Kinder lehrte, die ihn im Hinterhof umstehn, die sich schon wie altbewährte Kreisel um sich selber drehn? Oder lag’s in ihren Wiegen, ist es Lebensinventar? Sollte es an Adam liegen, der der erste Kreisel war?
horte sie doch in  und um uns endlcih auf, die Kreiselei! Uns wird, abgesehen vom Brummen, auch ganz wirr im Kopf dabei. Und wir sehn im Drehn und Winden alles etwas krumm und schief, auch wenn neben uns der Kreisel grad mal schnurgerade liegt. Dreh dich um dich selbst…

Gott will in die Speichen fassen, eh wir uns zu Tode drehn. Und wenn wir uns fassen lassen, hilft er uns, neu klar zu sehn, lehrt uns, andre so zu stützen, wie uns seine Hand dann stützt. Doch das wir uns wenig nützen, wenn er uns nicht ganz besitzt.
Dreh dich um dich selbst, dann wirst du Brummen, bei jedem Kreis, den du beschreibst, und dein Brummen wird erst dann verstummen, wenn du am Boden liegen bleibst.
(Manfred Siebald, „Brummkreisel“)

Ich drehe mich gerade, drehe, dreh, drehe… wie im Laufradl, nur am Funktionieren, Funktionieren, Funktionieren… Und jetzt lieg ich am Boden und bin müde.
Ich will das nicht so. Ich möchte wieder Leben. WAHRHABEN. Nicht nur drehen und drehen.

Ich bin ein Zeitnutzer. Ich mag es nicht, Zeit zu verschwenden. Ich mache Pläne, wie ich die Zeit am Besten nutze. Einen Tag daheim verbringen? Sicher nicht? Dann lieber herumhetzen.

Ich bin seit knapp 2 Monaten von meinem Kurzurlaub daheim wieder da. Und habe in der Zeit keinen einzigen Abend daheim verbracht. KEINEN einzigen. Immer unterwegs.

Und ich genieße das nicht mal, im Gegenteil. Ich bin erschöpft, schleppe seit Wochen eine Erkältung mit mir rum, die nicht ausbricht, ich unterdrücke sie. Ich habe Kreuzweh. Ich kann nicht schlafen, weil ich nur untwegs bin und bis spät abends Hausübungen schreibe, weil ich abends nicht dazu komme, weil ich ja unterwegs bin, Freunde zu treffen.

Jemanden absagen? Geht nicht. Weil, ich bin ja nur kurz da und dann verpass ich was. Oh man, verpassen! Jetzt stellt euch mal vor, ich verpasse etwas! WELTUNTERGANG!!! ICH kann doch nicht etwas verpassen. Muss immer überall dabei sein. Ein Abend daheim vorm Fernseher? Oder gar um neun schlafen gehen? ICH doch nicht.
Ja, und jetzt bin ich erschöpft. Und müde.
Montags Dominospielen in der Kirche. Dienstags Kino. Mittwoch abchillen mit der Freundin. Donnerstag Biblestudy. Freitag Party. Samstag irgendwas spannendes machen. Sonntag abend essen gehen mit Freunden. Und schon wieder keine Zeit für mich. Für Ausruhen. Runterkommen. Relaxen.

Ich will das nicht so. Ich möchte wieder Leben. WAHRHABEN. Nicht nur Drehen und Drehen. Damit ist jetzt Schluss. Abends schalte ich um 9 das Handy ab. Und den Computer. Und das Internet. Geh früh schlafen. Mindestens ein Abend in der Woche gehört mir. Der Vormittag wird daheim geblieben, da hab ich eh nur das Baby und das schläft. Ich habe sämtliche Termine abgesagt für die Woche. Ich sitze abends vorm Fernseher und stricke. Ich gehe ins Fitnessstudio und in die Sauna. Ich lasse die Kinder quiettime haben, während der ich am Sofa liege und nichts tue.

Na und, dann ‚verpass‘ ich etwas. Ist das so schlimm? Dann bin ich halt nicht bei der Party. Meine Güte.

 

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