Welcome Home, Maggan

Dieses Wochenende fahren meine Eltern nach Rumänien, um meine kleine Schwester abzuholen (gut, mit fast 1,80- also gut 3 cm größer als ich kann ich sie nicht wirklich als ‚klein‘ bezeichnen, und mit 20 kann ich sie auch nicht mehr ‚Baby‘ nennen…), die dort seit September in einem Waisenhaus eine Art FSJ gemacht hat.

Ich kann mir vorstellen, dass meine Eltern ganz kribbelig und aufgeregt sind, das Nesthäkchen der Familie (und das, obwohl sie nur 2 Jahre jünger ist als meine andere jüngere Schwester) heim zu holen, und ich kann mir auch vorstellen, dass Maggan, wie wir (oder zumindest wir Schwestern) sie seit unserem Schwedenaufenthalt nennen, im Zwiespalt ist: Vorfreude und Aufregung, die Eltern und Geschwister (zumindest einen Teil) wieder zu sehen und alle Freunde und Verwandte, wieder im eigenen Bett zu schlafen, vertraute Orte zu sehen, neuer Lebensabschnitt mit Beginn des Studiums… und auf der anderen Seite Wehmut und Traurigkeit, einen Ort und Leute zu verlassen, der ihr in den letzten Monaten so vertraut wurde und ihr Zuhause wurde und die ihr in den letzten Monaten so ans Herz gewachsen sind.

Ich kann total verstehen, wie es ihr im Moment geht… zum einen vermisst man die Familie und Freunde, vertraute Orte und den bekannten Alltag (Notfallrunden am Liechtenstein…), Filmeabende mit den Schwestern, Heurigen… und zum anderen schließt man die Leute, die man kennen lernt, ins Herz, man knüpft neue Freundschaften, der Ort, der erst so fremd war, wird einem immer vertrauter… und nach der Aufregung-alles-ist-neu-Phase kommt die ich-finds-hier-so-blöd-ich-will-nach-Hause-Krise, gefolgt von der ok-es-ist-nicht-schlechter-nur-anders-ich-akzeptiere-es-Erkenntnis und irgendwann kommt man an den Punkt, wo man ‚angekommen‘ ist, man hat seine Routine, seinen Alltag, sein Freundgrüppchen… und dann muss man seine Koffer zusammen packen und Abschied nehmen- für immer?

Ich bin mir sicher, Maggan hat in der Zeit wahnsinnig viel gelernt und ist unglaublich gewachsen, an ihre Grenzen gestoßen und hat sich persönlich weiter entwickeln. Diese Erfahrung kann ihr niemand mehr nehmen und ich weiß, dass sie in Rumänien viele Menschen bereichern konnte und die Freundschaften, die sie dort geschlossen haben, halten werden.

Abschied nehmen ist nicht leicht, und es werden Tränen fließen. Aber sie wird ihre Koffer packen, ihre Freunde umarmen, heimfahren, überwältigt sein, sich freuen, alle wieder zu sehen. Nach der ersten Aufregungs ‚Oh mein Gott, ich freu mich so, dich wieder zu sehen, ich hab dich so vermisst‘ Phase, wird eine ‚ich will zurück!‘ Phase kommen, aber sie wird auch das durchstehen, ein neues Studium beginnen, mit ihren Freunden aus Rumänien in Kontakt bleiben und auch zurück fahren, um sie zu besuchen.

Liebe Maggan, ich bin stolz auf dich, dass du es tatsächlich gewagt hast!

 

image image

 

(inwiefern ich diesen Text auch für mich geschrieben habe, wo mir jetzt nur noch 2 Monate hier bleiben, bleibt offen;-))

Advertisements

4 Kommentare zu “Welcome Home, Maggan

  1. ich habe fast vermutet, dass deine eigenen gefühle hier ein klein wenig rolle spielen 🙂 ein sehr schöner text und eine tolle erfahrung, die ich leider aus verschiedenen gründen so (noch?) nie machen konnte…

  2. Deine Worte Lisa sind do.voller Stolz über unsnere „kleinen“ Schwester!!
    🙂

    Und ja, sie passen azch perfekt zu dir 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s