Manchmal.

Manchmal wache ich morgens schon mit furchtbaren Kopfschmerzen auf.

Manchmal wache ich mitten in der Nacht aus einem Albtraum auf, nur um dann in Panik zu verfallen: nur noch 2 Monate! Und ich habs nicht mal nach New York geschafft!

Manchmal heule ich mich in den Schlaf, vor lauter Weltschmerz.

Manchmal sitze ich über meiner Bibel und kann nichts anfangen mit den Worten.

Manchmal starre ich auf mein Gebetstagebuch, die Liste ist so lang, so viele Freunde, die Gebet brauchen, so viele Fragen, die ich vor meinen Herrn bringen möchte.

Manchmal sitze ich stumm da und bringe es nicht übers Herz, ein Anliegen zu formulieren geschweige denn, auf eine Antwort zu warten- was, wenn mir Gottes Antwort nicht gefällt?

Manchmal bin ich so verzweifelt und fühle mich so weit weg, dass ich gar nicht weiß, wie ich beten soll.

Und dann singt der Kleine: ‚Danke, für diesen guten Morgen, danke für diesen neuen Tag…‘

Und dann höre ich die Mittlere ihr Abendgebet aufsagen und ich stimme mit ein:

Unser Vater im Himmel,

geheiligt werde dein Name,

dein Reich komme,

dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute

und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von den Bösen.

Denn dein ist das Reich, die Kraft und die Herrlichkeit,

in Ewigkeit, Amen.“

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Wenn Lernen wieder Spaß macht

Kennt ihr die Oberstreber aus der ersten Reihe? Die, die immer über pünktlich zum Unterricht erscheinen, erste Reihe sitzen, dem Lehrer schon fast am Schoß kriechen, immer die Hausübung haben und die vorgegeben Seiten gelesen und vorbereitet haben, immer aufzeigen und sich melden (und dann auch nich Recht haben!!!), nach dem Unterricht noch bleiben, um mit den Lehrern zu reden? Einfach nur mega nervig sind?

Dann hab ich gute Nachrichten für euch: so eine bin ich jetzt nämlich. Ja. Richtig gelesen. Ich bin die Musterschülerin/Streberin aus der ersten Reihe.

Ich habe nämlich etwas gefunden, das mir so richtig, richtig Spaß macht. Und zwar American Sign Language(ASL)- Gebärdensprache.

Seit 3 Wochen geht nun schon mein Kurs und ich sitze immer (wirklich immer) erste Reihe (ok, die Tische sind in einem Viereck aufgestellt, aber ich sitze so, dass ich die Lehrerin am Besten sehe und sie mich sieht), mache meine Hausübung, lese die Kapitel aus dem Buch, bin vorbereitet, zeige immer auf, mache bei allen Gruppenübungen mit und bleibe länger, um Fragen zu stellen. Ohja, ich bin eine Streberin geworden.

Ich glaube, ich habe zum ersten Mal etwas gefunden, das mir so viel Spaß macht wie noch nie zu vor (ok, Psychologie und Mathe fand ich auch richtig gut). Ich glaube, ich habe endlich gefunden, was zu mir passt, was mich begeistert und mir Freude bereitet, was mich interessiert und ich gerne lerne. Und als meine Lehrerin nach dem Unterricht zu mir und meiner Kurskollegin, mit der ich mich nachher noch unterhalten habe, gekommen ist und uns gesagt gesignt hat, dass wir richtig gut sind, dachte ich, ich hüpfe. Ich liebe Erfolgserlebnisse!

 

Was nicht selbstverständlich ist…

… und wofür ich unendlich dankbar bin.

Eine meiner sehr guten Freundinnen hat mir eine Karte geschrieben, in der sie Dinge aufzählt, wofür sie dankbar ist. Ich möchte es ihr gleich tun und dankbar sein, für Dinge, die für mich selbstverständlich sind, bzw. an die ich gewohnt bin, aber wo mir nicht bewusst ist, dass diese Dinge eben nicht selbstverständlich sind.

  • Eltern, die mich abends zu Bett gebracht haben, mir vorgelesen haben, mit mir gebetet haben. Die mit mir gespielt haben, in den Wald und Park gegangen sind, frisch gekocht haben, mir Werte, Höflichkeit und Manieren, beigebracht haben. Die Wert darauf gelegt haben, dass wir ‚Bitte‘ und ‚Danke‘ sagen, unser Geschirr nach dem Essen in die Küche bringen und grüßen. Die ins Zimmer gekommen sind, um unsere Freunde zu begrüßen. Die Kako gebracht haben, wenn Krise angesagt war, oder heiße Milch mit Honig.
  • Geschwister, mit denen ich viel und oft gestritten habe und mit denen ich heute so gut befreundet (beschwestert?) bin. Und ja, dazu zählt auch der Schwager.
  • gläubige Freunde. In 1. Thessalonicher 1:2-3, Philipper 1:3-6 und Kolosser 1:3-4 steht (kurz zusammen gefasst): ‚Ich danke Gott für euch und euren Glauben‘. Fast alle meine engsten Freunde teilen diesen Glauben mit mir. Und dies ist nicht selbstverständlich. Ich bin so gesegnet!
  • meine Gastfamilie, die mich mit in den Gottesdienst genommen hat und mich Leuten vorgestellt hat, die mich wiederrum in die Biblestudy eingeladen haben und zu diversen Hangouts mitgenommen haben, wo ich wieder andere Leute getroffen habe. So habe ich einen guten Freundeskreis hier aufbauen können und Freundschaften und Beziehungen knüpfen können zu Leuten, mit denen ich lachen und weinen kann, mit denen ich verreise, ins Kino gehe, Kochabende veranstalte oder Spieleabende mache. Auf deren Hochzeit ich Bridesmaid sein datf.
  • meine Gastfamilie. Ich liebe sie. Und die Kinder! Ich bin so vernarrt in den Kleinen. Sonntags ist er in der Früh zu mir gekommen, ‚I lo you Isa‘ Die Mittlere hat neulich zum Weinen angefangen, als ich ihr erzählt habe, dass ich eines Tages heim muss.
  • meine Dienstagsbibelrunde. Heute habe ich voll zum Weinen anfangen müssen, weil es mich so überrumpelt hat, wie gesegnet und beschenkt ich mit dieser Runde bin. Ich habe eine so tolle Gebetsgruppe, es sind so tolle Frauen. Wir lachen und weinen, können ehrlich sein. Und heute war ich ehrlich. Ich habe geweint und gesagt: ich bin so dankbar, euch zu haben.
  • mein Pastor. Er lebt für diesen Beruf. Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie großartig er ist. Sein Kommentar heute hat mir den Rest gegeben: ‚WE are the ones who are blessed with YOU! Glory to the Lord!‘

Sandra Bullock sagt im Film ‚Während du schliefst‘ (einer meiner absoluten Lieblingsfilme, just fyi): ‚The truth is… I fell in love with you. With all of you. I might have saved your life. But you really saved mine. You allowed me to be part of this family. And I will always love you‘

 

Fastenzeit

Heute beginnt die Fastenzeit. Auch heuer möchte ich fasten. Verzichten.  Mir bewusst machen, in welchen Überfluss ich/wir leben.

War Fastenzeit früher ein ‚Zwang‘, bestimmt durch die Mama (Samstag- Suppentag, Fernseher wird weggeräumt, nix Süßes…) freue ich mich jetzt jedes Jahr schon darauf.

Doch anstatt auf Zucker, Kaffee, Alkohol etc. zu verzichten (das reduziere ich sowieso schon bzw vermeide ich so gut es geht), möchte ich heuer in der Fastenzeit auf folgende Dinge verzichten, Dinge, die mir schwerfallen:

  • Kaffeehaus… ich gehe viel zu oft und gebe viel zu viel Geld aus für Schnickschnackkaffee. Unser Dienstagskaffeehaustreffen findet nach wie vor statt, aber statt super fancy Kaffee mit cream und sirup und was weiß ich alles, wird eine Tasse Tee bestellt. Und das Geld, das ich mir spare, wandert ins Sparschwein
  • Restaurantbesuche und take out… selber kochen! Macht eh viel mehr Spaß! Und außerdem kann ich Mr. Bambus so meine Lieblingsgerichte zeigen (Letzte Woche haben wir Letscho gekocht… ich war im Gourmethimmel!) Das gesparte Geld kommt wieder ins Sparschweinderl.
  • Friseurbesuche. Ich gehe alle 6 Wochen zum Frisör, um meinen Pony nachschneiden zu lassen und um die Spitzen angleichen zu lassen. Den Pony will ich sowieso rauswachsen lassen und die Haare will ich eh lang lassen. Ist zwar eine Herausforderung, weil ich grad so eine Übergangslänge habe, aber in Wirklichkeit trag ich eh meistens Koziberfrisur. Oder Flechtezopf. Die große Herausforderung ist das Nachfärben… War seit Mitte Oktober nicht mehr Nachfärben, aber will in Wirklichkeit eh meine Naturhaarfarbe haben, es bringt mich zwar gerade zum Verzweifeln, und am Liebsten würde ich die Haare brutal aufblondieren und auf meine Naturhaarfarbe zurück färben. Aber das würde sie nur noch mehr zerstören. Also lasse ich es mal raus wachsen. Und außerdem gibt es Haarbänder. Das gesparte Geld kommt wieder in die Spardose.
  • Internetzeit reduzieren. uff. Ich alte Süchtlerin.

Was habt ihr euch so vorgenommen?

Weil eben NICHT alles passt…

… oder wie der Wiener sagen würd: „Des geht ma am Oasch“ (Und bitte schön laaaaaang gezogen, damit ja jeder checkt, wie sehr es mir ‚am oaaaaaasch‘ geht)

Seit einer Woche bin ich am Rumheulen. Liegt am Wetter.  Bestimmt.

Mir geht einfach alles, aber auch alles, auf die Nerven. Den ganzen Tag geht es ‚Isa. Isa. Isa‘ ‚Isa up. Isa help me! ISA!!!!!“ Die Mädchen sind nur am Rumjammern und Rummotzen und Rumstreiten. Egal, was vorgeschlagen wird, es wird zurück gejammert: „Gehen wir in den Park“ „neeeeeeeiiinnnnnn ich maaaaaag niiiiicht“ Und dazu Rumgestampfe und Türen werden zugeschlagen und ich bin sowieso doof. Im Moment müssen wir Valentinstagskarten basteln. Also zwangsbeglücke ich die Mädchen mit Basteleien. Und alles was ich höre: „I’m sooooo tired. I can’t do this….“ NUR Gesudere und Gejammere. Vor lauter Frustration habe ich die Karten weggepackt und die Kinder angeschnauzt. Jetzt sitzen alle heulend schreiend in ihrem Zimmer.  Inklusive ich. Versagertag. Wo ist nur meine Geduld und mein Verständnis hin? Sie sind ja noch klein. Und müde. Und geben sich eh Mühe. Aber eben nicht so, wie ich es will.

Gestern hatte ich Bibelrunde, erst wollte ich nicht hin, weil müde und kalt und überhaupt. Ich hab mich dann aber aufgerafft und bin hin und habe nichts verstanden. Wir lesen im Moment „Mere Christianity“ von C.S.Lewis. Und liegt es an mir oder warum verstehe ich ungefähr gar nichts? Ja, es  MUSS an mir liegen, weil alle anderen waren in einer hitzigen Diskussion und haben die Kapitel analysiert und Fragen gestellt und Fragen beantwortet und ich saß da: „uhm… hab ich die Stelle überlesen? Und die? Und habe ich überhaupt das richtige Kapitel, das richtige Buch? weil irgendwie…“ Ich gebe mir wirklich Mühe und lese die 2 Kapitel, die jede Woche dran sind… aber ich bin überfordert! Und als dann die Frage kam: „Irgendwie müssen wir tiefer gehen, lass uns doch 3 Kapitel lesen!“ Da bin ich dann explodiert: „Nein! NEIN! Ich KANN NICHT 3 Kapitel lesen!Ich schaffs ja nicht mal die 2 zu lesen! ich versteh KEIN Wort! Ich versteh eure Fragen nicht!“ Erst mal war Stille, weil so ein Ausbruch sind die nicht gewohnt.. und dann kam die erste Antwort: „ja, ich les das Kapitel auch 2 mal“ da pfefferte ich zurück: „ja, und jetzt lies da mal in einer Sprache, die NICHT deine Muttersprache ist! Wenn es schon für euch kompliziert ist, müsst ihr euch mal vorstellen, wie schwer es für mich ist! Mein Hirn macht manchmal Stop! dann geht kein Englisch mehr! Ich bin müde! Ich bin überfordert! Ich schaff das grad nicht! Ich bestells mir auf Deutsch! Mir reichts!‘

Dann gabs das obligatorische Peinliche-Stille-Kichern und dann wurde weiter diskutiert.

Zum Liedersingen bin ich nicht geblieben. Ich war kurz vorm Heulen. Also bin ich erst mal zu Mr. Bambus gefahren und eine Stunde geheult und einen Berg Taschentücher vollgerotzt.

Ich bin müde, vom Englisch sprechen. Ich bin müde, vom Kinderspielplatzsitzen. Ich bin müde, vom Baby Rumtragen. Ich bin müde, immer an Zeitverschiebung denken zu müssen und meine Freunde und Familie nicht anrufen zu können, wann ich will, sondern nur nach Terminvereinbarung. Ich bin frustriert, weil ich nach über einem Jahr nach wie vor Knoten im Hirn hab und mir Wörter nicht einfallen… und da wird sich wahrscheinlich nie ändern. Ich hab mega Stress, weil ich nur 8 Wochen Zeit habe, um eine Kleidergröße kleiner zu werden(mein Bridesmaidsdress gibt es nicht in meiner Größe, nur 6 Nummern größer…) Ich bin frustriert und genervt, von meinem Fehlverhalten der Kinder gegenüber. Weil ich sie anschreie und ungeduldig bin mit ihnen. Ich bin gestresst und panisch weil ich nur noch bisschen mehr als 5 Monate hier bin und so gar nicht heim will. So, jetzt ist es raus: ich will da bleiben!Ich bin traurig, weil ich meine Großeltern vermisse. Ich trauere, um meinen Opa. Und um so viele liebe Menschen.

Als ich ausgeheult hatte, meinte Mr. Bambus nur: „Vielleicht steigerst du dich zu sehr in manche Sachen hinein“ Und er hat Recht, ich kann nicht alles kontrollieren. Ich bin nicht perfekt. Und muss es auch nicht sein.

Und weil ich eben nur ein Mensch bin, der Fehler macht, überwinde ich meinen Grant und gehe mich bei der Großen entschuldigen, die gerade im Zimmer heult. Ich erinnere mich, als ich ein Kind war und wie leicht ich frustriert war, wenn etwas nicht geklappt hat. Und wie müde und traurig und überhaupt. Also sitzen wir beide am Sofa, sie auf meinem Arm und heult und ich höre zu und weine mit. Ja, ich bin auch frustriert und ungeduldig. Ich will alles gleich richtig und schön und perfekt machen. Aber ich bin ein Mensch, kein superhero. Und sie ist erst 6 Jahre alt. Sie kann gewisse Dinge noch nicht. Also machen wir Pause und Szenenwechsel, packen die Valentinstagskarten weg, schauen Film und machen morgen weiter. Danke, liebe Große, dass du mir noch mal verzeihst.

 

Geht es Gott mit uns manchmal auch so?