Coffee Date Time

Manchmal habe ich das Gefühl, die Große kommt zu kurz. (Also eigentlich weiß ich, dass sie zu kurz kommt). Dienstag Vormittag gehen die Mittlere, der Kleine und ich immer ins Café. Während der Kleine schläft, spiele ich nur mit der Mittleren, Montag, Mittwoch und Freitag sind der Kleine und ich allein unterwegs… und die Große? Wird abgeholt und das wars. Schon öfters meinte sie, sie würde so gern mit ins Café kommen, aber: ‚Du bist da in der Schule‘. Am Freitag waren die Großeltern da und ich habe beschlossen, die Große auf ein Coffee Date einzuladen. (als ich es ihr gesagt habe, ist sie vor Freude auf und abgesprungen und ich hab beinahe zum Heulen begonnen, weil mir in solchen Momenten bewusst wird, wie sehr ich sie liebe und wie wenig ich es ihr zeige… zieh die Schuluniform an, mach dein Bett, mach deine Hausübung, zieh dich um, bring das Buch weg, lass den Bruder in Ruhe, hör auf zu Zappeln…) Sie hat sich sofort umgezogen (sie hat sich richtig fein gemacht, ihr schönstes Leiberl und die Hose, von der sie weiß, dass ich die so mag, Haarreifen…) und wir sind los. Wir sind in das Café, in das ich Dienstags immer gehe, weil dort gibt es den besten Dirty Chai und die besten Chocolate Chip Scones und es ist überhaupt das gemütlichste und urigste Café in ganz Richmond. Wir hatten Glück, es gab genau noch ein Scone und einen Zimtknoten (jetzt, wo ich den probiert habe, weiß ich nicht so genau, ob die Scones immer noch mein Lieblingsgebäck sind! Sooooo gut!!!) Dazu gab es Dirty Chai für mich und heiße Schokolade mit gaaaanz viel Schaum für sie. Wir sind am Fenster gesessen, haben Passanten beobachtet, Domino gespielt, sie hat mir von der Schule erzählt, wir haben die Zeitung gelesen, Muttertagsgeschenksideen gesammelt, unsere Jause geteilt, Scones in den Milchschaum gestippt (getunkt?), Teller abgeschleckt und den Restschaum aus den Häferl mit dem Finger rausgeschleckt. Nachher hat sie mich umarmt und gesagt: ‚I wish, we could do this more often. You are better than butterflies. And you know, there are not a lot things that are better than butterflies.  But you are‘. Eine ganz besondere Liebeserklärung! Und ich habe gemerkt, wie gut der Großen die ungeteilte Aufmerksamkeit tut.

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(erst wollte ich mehr Fotos machen, habe das Handy dann aber weeggepackt. Es sollte ja ein Foffeedate sein. Und nicht eine Blogreportage. Die Zeit und Aufmerksamkeit galt nur ihr)

Montags bei Mary

Montagmorgen… NOTAFAN

normalerweise…

Aber ich liebe Montag (manchmal. manchmal mag ich sie so gar nicht. vorallem, wenn ich verschlafe. urgh). Denn da sind der Kleine und ich alleine zu Hause und haben den Vormittag für uns alleine. Nachdem die großen Mädchen das Haus verlassen wird es erst mal still im Haus. Manchmal schläft der Kleine noch, aber seit einigen Tagen ist er zwar schon wach, spielt aber mit seinen Kuscheltieren und ‚liest‘ ihnen Geschichten vor. Ich sitze mit meiner Tasse Kaffee auf dem Sofa und höre ihm zu. (Wir haben im 2. Stock, wo das Zimmer der Kinder ist eine Sitzecke) Mir zerplatzt das Herz jedesmal, wenn ich ihn da höre… ‚Elmo, we go einkaufen ok? And then we go playground and play, alright?‘ Und dann singt er voller Leideschaft ‚Jesus loves me, yes, Jesus loves me‘ für 5 Minuten und lacht und kudert und freut sich am Leben. Irgendwann ruft er dann: ‚ISAAAA you there?‘ Und dann hol ich ihn zu mir. Wir ziehen uns an, frühstücken, putzen die Zähne und waschen Wäsche, er hilft mir dabei und sagt: ‚I so big boy. So big help, right Isa?‘  Dieser Vormittag gehört nur uns. Manchmal, so wie heute, müssen wir ein paar Dinge erledigem, (Bank, Post,…), manchmal gehen wir auch ins Fitnessstudio, meistens aber sind wir daheim, gehen in den Garten, spielen, relaxen, lesen… unsere ganz persönliche Isa-Baby-Zeit.

Heute sind wir, nachdem er mir geholfen hat, die Waschmaschine zu laden (inklusive Bettwäsche) zu einer Freundin gefahren und mit ihr in die Stadt gegangen um einen Kaffee zu trinken. Mit dabei natürlich sein Rucksack und sein heiß geliebter Poo Baer. Wir sind ein paar Stunden im Kaffee gesessen und haben getratscht, während der Kleine alle Passanten angelacht hat. Am Heimweg ist er dann ganz hängiklebi geworden und ganz kuschelig.

Zu Mittag haben wir die Mittlere abgeholt und sind mit ihrem besten Freund ins Museum gefahren, wo wir Mittag gegessen haben und gespielt haben. Es gibt dort so einen schönen Garten, wo die Kinder gespielt haben, während die Mama und ich uns unterhalten haben.

Anschließend sind wir zu Fuß die Große abholen gegangen und waren noch etwas am Spielplatz, bevor es heimging, wo wir den Tag ganz gemütlich ausklingen haben lassen und bis zur mommytime im Garten gespielt haben. Montag abends hab ich auch kein Programm und kann meine ganzen Soko-Serien anschauen. (Sokomarathon haha)

Ja, ich liebe Montage, besonders, wenn sie so entspannt sind.

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Ps: das ist mein 200. Post, falls es irgendwem interessiert, just sayin.

Schneefrei, die Dritte (und Vierte und Fünfte)

Wir sind eingeschneit. Seit heute Vormittag schneit es. Die Straßen werden nicht mehr geräumt und es sieht nicht so aus, als würde es bald aufhören. Morgen ist die Schule geschlossen, wahrscheinlich auch am Mittwoch.

So geht es nun seit Samstag. Nachmittags war es noch relativ warm, am Abend gab es dann einen Schneesturm, teilweise gab es Stromausfall (bambusmäßiger Valentinstag! Mit Kerzen und Decken und Hauben am Sofa gesessen und darüber gelacht… ‚remember our first Valentine’s day date, when we didn’t have any power? and it was like freezing?‘)

Und nun schneit es. ‚Bitte fahr super vorsichtig, halte genug Abstand zum Vorderauto, bremse rechtzeitig…‘ … uhm… ich hab den in Schweden, im Winter Autofahren gelernt, ich glaub, ich weiß wie man die 2 cm Schnee handhabt… gesagt, getan, habe ich mich wagemutig in den Schnee hinausgewagt… 3 Stunden später war Autofahren kaum mehr möglich und so habe ich für eine 8 Minuten Strecke 35 Minuten gebraucht, kaum zu Hause gab es kein Autofahren mehr. (Und ja, ich weiß vielleicht wie man im Schnee fährt, aber das hilft mir auf ungeräumten, vereisten Straßen mit keinen Winterreifen wenig…)

Und jetzt liege ich mit Kuschelsocken im Bett, den Bauch voller Grits und bin glücklich. Ich war im Schnee spazieren, habe gekuschelt, Film geschaut… richtig herrlich. Schnee macht mich so ruhig. Ich mag es total gern, wenn die Welt so still und eingedämmt und wie in Watte gepackt ist.

Morgen siehts sicher wieder anders aus, wenn ich das Haus nicht verlassen kann und 3 Zwetschken daheim hab. Wir machen einfach das Beste draus und essen Grits und Kartoffelpürree und trinken Kakao, bauen einen Schneemann (oh, das wird lustig, die haben ja keine Skianzüge…) Und wenn uns die Decke am Kopf fällt und ich unrund werde, erinnere ich mich einfach daran, wie ruhig mich ein Schneespaziergang macht.

Weil eben NICHT alles passt…

… oder wie der Wiener sagen würd: „Des geht ma am Oasch“ (Und bitte schön laaaaaang gezogen, damit ja jeder checkt, wie sehr es mir ‚am oaaaaaasch‘ geht)

Seit einer Woche bin ich am Rumheulen. Liegt am Wetter.  Bestimmt.

Mir geht einfach alles, aber auch alles, auf die Nerven. Den ganzen Tag geht es ‚Isa. Isa. Isa‘ ‚Isa up. Isa help me! ISA!!!!!“ Die Mädchen sind nur am Rumjammern und Rummotzen und Rumstreiten. Egal, was vorgeschlagen wird, es wird zurück gejammert: „Gehen wir in den Park“ „neeeeeeeiiinnnnnn ich maaaaaag niiiiicht“ Und dazu Rumgestampfe und Türen werden zugeschlagen und ich bin sowieso doof. Im Moment müssen wir Valentinstagskarten basteln. Also zwangsbeglücke ich die Mädchen mit Basteleien. Und alles was ich höre: „I’m sooooo tired. I can’t do this….“ NUR Gesudere und Gejammere. Vor lauter Frustration habe ich die Karten weggepackt und die Kinder angeschnauzt. Jetzt sitzen alle heulend schreiend in ihrem Zimmer.  Inklusive ich. Versagertag. Wo ist nur meine Geduld und mein Verständnis hin? Sie sind ja noch klein. Und müde. Und geben sich eh Mühe. Aber eben nicht so, wie ich es will.

Gestern hatte ich Bibelrunde, erst wollte ich nicht hin, weil müde und kalt und überhaupt. Ich hab mich dann aber aufgerafft und bin hin und habe nichts verstanden. Wir lesen im Moment „Mere Christianity“ von C.S.Lewis. Und liegt es an mir oder warum verstehe ich ungefähr gar nichts? Ja, es  MUSS an mir liegen, weil alle anderen waren in einer hitzigen Diskussion und haben die Kapitel analysiert und Fragen gestellt und Fragen beantwortet und ich saß da: „uhm… hab ich die Stelle überlesen? Und die? Und habe ich überhaupt das richtige Kapitel, das richtige Buch? weil irgendwie…“ Ich gebe mir wirklich Mühe und lese die 2 Kapitel, die jede Woche dran sind… aber ich bin überfordert! Und als dann die Frage kam: „Irgendwie müssen wir tiefer gehen, lass uns doch 3 Kapitel lesen!“ Da bin ich dann explodiert: „Nein! NEIN! Ich KANN NICHT 3 Kapitel lesen!Ich schaffs ja nicht mal die 2 zu lesen! ich versteh KEIN Wort! Ich versteh eure Fragen nicht!“ Erst mal war Stille, weil so ein Ausbruch sind die nicht gewohnt.. und dann kam die erste Antwort: „ja, ich les das Kapitel auch 2 mal“ da pfefferte ich zurück: „ja, und jetzt lies da mal in einer Sprache, die NICHT deine Muttersprache ist! Wenn es schon für euch kompliziert ist, müsst ihr euch mal vorstellen, wie schwer es für mich ist! Mein Hirn macht manchmal Stop! dann geht kein Englisch mehr! Ich bin müde! Ich bin überfordert! Ich schaff das grad nicht! Ich bestells mir auf Deutsch! Mir reichts!‘

Dann gabs das obligatorische Peinliche-Stille-Kichern und dann wurde weiter diskutiert.

Zum Liedersingen bin ich nicht geblieben. Ich war kurz vorm Heulen. Also bin ich erst mal zu Mr. Bambus gefahren und eine Stunde geheult und einen Berg Taschentücher vollgerotzt.

Ich bin müde, vom Englisch sprechen. Ich bin müde, vom Kinderspielplatzsitzen. Ich bin müde, vom Baby Rumtragen. Ich bin müde, immer an Zeitverschiebung denken zu müssen und meine Freunde und Familie nicht anrufen zu können, wann ich will, sondern nur nach Terminvereinbarung. Ich bin frustriert, weil ich nach über einem Jahr nach wie vor Knoten im Hirn hab und mir Wörter nicht einfallen… und da wird sich wahrscheinlich nie ändern. Ich hab mega Stress, weil ich nur 8 Wochen Zeit habe, um eine Kleidergröße kleiner zu werden(mein Bridesmaidsdress gibt es nicht in meiner Größe, nur 6 Nummern größer…) Ich bin frustriert und genervt, von meinem Fehlverhalten der Kinder gegenüber. Weil ich sie anschreie und ungeduldig bin mit ihnen. Ich bin gestresst und panisch weil ich nur noch bisschen mehr als 5 Monate hier bin und so gar nicht heim will. So, jetzt ist es raus: ich will da bleiben!Ich bin traurig, weil ich meine Großeltern vermisse. Ich trauere, um meinen Opa. Und um so viele liebe Menschen.

Als ich ausgeheult hatte, meinte Mr. Bambus nur: „Vielleicht steigerst du dich zu sehr in manche Sachen hinein“ Und er hat Recht, ich kann nicht alles kontrollieren. Ich bin nicht perfekt. Und muss es auch nicht sein.

Und weil ich eben nur ein Mensch bin, der Fehler macht, überwinde ich meinen Grant und gehe mich bei der Großen entschuldigen, die gerade im Zimmer heult. Ich erinnere mich, als ich ein Kind war und wie leicht ich frustriert war, wenn etwas nicht geklappt hat. Und wie müde und traurig und überhaupt. Also sitzen wir beide am Sofa, sie auf meinem Arm und heult und ich höre zu und weine mit. Ja, ich bin auch frustriert und ungeduldig. Ich will alles gleich richtig und schön und perfekt machen. Aber ich bin ein Mensch, kein superhero. Und sie ist erst 6 Jahre alt. Sie kann gewisse Dinge noch nicht. Also machen wir Pause und Szenenwechsel, packen die Valentinstagskarten weg, schauen Film und machen morgen weiter. Danke, liebe Große, dass du mir noch mal verzeihst.

 

Geht es Gott mit uns manchmal auch so?

I have a crush on you

So she said, what’s the problem, baby, what’s the problem, I don’t know, well maybe I’m in love, think about it every time, I think about, can’t stop thinking ‚bout it… I’m in love, accidantlly in love…

Ja, manche haben es sich shcin gedacht, ich mache es hiermit offiziell: ich habe mich verliebt….

  • in die Bäume, die gerade leuchtend rotgelbleuchten und bis vor einigen Wochen noch dunkellila blühten
  • in die lazy hangouts am Strand und im Park
  • in caramel latte macchiato
  • in das Baby, das zum Sprechen anfängt, jedesmal zum quietschen anfängt, wenn es mich sieht „HI IIISAAAA“ ruft, auf mich zurennt und mir nasse Bussis gibt
  • in die Mittlere, die mich mit ihren rehbraunen Augen anschaut und dann sagt: „I love you“
  • in die Grosse, die mich seit Februar wöchentlich fragt, ob ich eh 11 Jahre da bleibe und schon einen Plan geschmiedet hat, wie sie mir einen Mann finden wird, damit ich heirate und hier bleibe. (Für 11 Jahre:-) )
  • in meine Kirche. Oh ich LIEBE meine Kirche. Die Predigten, die Gemeinschaft, die Frauenbibelrunde, die jetzt nach der Sommerpause wieder begonnen hat und in die Picknicke danach, in die Gespräche, in die Menschen, die mich nach dem 2. mal Treffen so gastfreundlich aufgenommen haben und zum Essen einladen und mich ständig fragen, ob ich eh da bleib, den Pfarrer, der mir jedes Mal, wenn er mich sieht, sagt, dass ich ein Segen bin und das es eine Gebetserhörung ist, dass ich da bin und wann ich jetzt Mitglied werde.
  • in meine Bibelrunde, was wir lachen! ich liebe es, dass wir alle so ungezwungen über unseren Glauben reden können, gemeinsam beten und extrem viel lachen. (meistens weil ich irgendetwas falsch ausspreche) Hier kann ich ehrlich sein, kann ich sagen, wie ich mich fühle, hier werde ich verstanden und weil wir viel gemeinsam unternehmen, ob freitags Abend gemeinsam grillen, applepicking, vinyardtour, Spieleabende….
  • in Target. OH TARGET.
  • Sugar Shack donuts am Samstag
  • mein GYM! und das rooftoppool!
  • Mexican train game nights mit meiner hostmum und meinen Freunden und den  Senioren in der Kirche
  • sweet frog
  • cary town
  • Byrd theatre, drive in theatre, Kino überhaupt
  • thinking, dreaming, talking English all the time. Und das es nichts ausmacht, wenn mein Hirn stoppt und ich nicht mehr Englisch reden kann. Weil dann rede ich halt auf Deutsch.
  • dass ich hier meine Ängste überwinde und mutiger werde und Dinge einfach ausprobiere. nicht nur drüber rede, sondern wirklich tue. So wie Wildwasserraften, Poledancen, Standuppaddeling
  • milkshakes
  • spontane roadtrips
  • meinen Freundeskreis, dass wir uns spontan zusammen treffen, gemeinsam kochen, spazieren, Wein trinken, Filme schauen, Themenabende planen, ehrliche und tiefe Gespräche führen. Wir haben die ‚hi, how are you‘ Grenze übertreten, ich sage nicht mehr ‚i’m fine, how are you‘, hier wird nachgefragt

Ich bin verliebt. In Amerika. In das Leben hier. Darum habe ich beschlossen, ich bleibe. Für weiter sechs Monate. Vielleicht auch länger, vielleicht für immer. Zumindest mit dem Herzen… weil: I’m accidentally in love with this city.

 

Und das ist eine Liebeserklärung an die Stadt, an die ich einen Teil meines Herzens verloren habe(so wie schon an Trelew, Argentinien und an Göteborg und Stockholm, Schweden)